Paarpraxis Raum Hera



I. Einleitung: Der integrative Behandlungsansatz von Paarpraxis / Qualitätssicherung

Es ist uns ein zentrales Anliegen, dass das Angebot von Paarpraxis in der Einzelunterstützung und in der Unterstützung von Paaren dem aktuellsten Stand der Psychotherapieforschung entspricht. Es gibt eine Vielzahl von Therapieschulen, die zwar von ähnlichen Grundannahmen der menschlichen Psyche ausgehen (einfach gesagt von dem, was Psychologiestudenten an der Universität lernen), die sich jedoch in der Art und Weise, wie die Therapie und wie therapeutische Interventionen gestaltet werden (alles, was der Therapeut in der Therapie in Bezug auf die Beziehungsgestaltung und in Bezug auf die Bearbeitung von Inhalten gezielt tut oder gezielt nicht tut) teils extrem unterscheiden.

Unsere Arbeit unterliegt durch Intervisionen und Supervisionen einer regelmässigen qualitativen Überprüfung, wie es in psychologischen Tätigkeiten üblich ist. Zu diesem Zweck zeichnen wir unsere Sitzungen, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, auf Video auf. Jede Woche besprechen wir in einer Intervisionssitzung untereinander einzelne Videobänder, und mehrmals pro Jahr reisen wir nach Deutschland, um einzelne Bänder anonymisiert mit unseren Supervisoren aus der KOP-Ausbildung oder in Intervisionen im Hans Jellouschek Institut zu besprechen.


II. Wesentliche Erläuterungen und Informationen zum Angebot von Paarpraxis:

1. Was heisst „Stress“ bzw. „Stressbewältigung“?
(Quellen: Bodenmann: Stark gegen Stress 2013, Sachse: Klärungsorientierte Psychotherapie psychosomatischer Störungen 2018, Sachse/Neumann: Persönlichkeit und Bindung in der therapeutischen Beziehung 2018)

Stress ist eine Anforderung an den Organismus, die starke körperliche Auswirkungen haben kann wie die Schwächung des Immunsystems, Bluthochdruck, Erhöhung der Herzfrequenz, Verstärkung der Magensäurenproduktion bis hin zu andauerndem Reizdarm (Morbus Crohn). In der modernen Psychologie geht man davon aus, dass Stress seine Ursachen immer in der Wechselwirkung von Beziehungen hat (zu Mitarbeitern, Partnern, Freunden, Verwandten und insbesondere auch in Annahmen über sich selbst) und letztlich aufgrund einer subjektiven, bewussten oder unbewussten Einschätzung von Situationen oder Umständen entsteht. Beim Thema Stress geht es damit letztlich immer um Beziehungsaspekte, weshalb diese zu Beginn geklärt und verstanden werden müssen.

Stress hat damit in aller Regel sehr wenig mit objektiven Umständen zu tun, sondern ist weitgehend subjektiv. Trotzdem denken die meisten Menschen bei Stress an äusseren Stress: An einen lauten Arbeitsplatz, an Hektik, an Termindruck etc. Natürlich spielen solche Faktoren auch eine Rolle, unserer Erfahrung nach sind die meisten Stressfaktoren aber internal, spielen sich also in der Person selbst ab. Bei solchen inneren Prozessen handelt es sich meist um ungünstige Überzeugungen (Schemata) einer Person, die hohe Belastung erzeugen. Die Person setzt sich selbst unter Druck, insbesondere mit hohen, perfektionistischen Ansprüchen an sich selbst und einer extremen Ängstlichkeit Fehlern gegenüber. In der Therapie schauen wir deshalb immer zuerst auf die internalen Aspekte, denn hier werden wir immer fündig, und hier kann man etwas machen!

Die Leute kommen mit Unlösbarkeitskonstruktionen und mit Zwangsläufigkeiten, aber wenn sie bereit sind, diese in der Therapie genauer zu untersuchen und zu hinterfragen, kommt meist dabei heraus, dass sich die Leute ihren Stress zum grossen Teil schlicht und ergreifend selbst machen. Was eine häufige zusätzliche Schwierigkeit darstellt, ist der Umstand, dass wir Stress mit der Zeit nicht mehr bewusst wahrnehmen. Viele unserer Klienten weisen eine Ignoranz ihrer Belastungsgrenzen auf. Sie denken, sie seien gar nicht so gestresst, übersehen dabei aber, dass sich viele ganz kleine oder mittlere Belastungen aus der Partnerschaft, dem Beruf oder der Freizeit summieren. Der Klient nimmt die Belastungen damit nach einiger Zeit gar nicht mehr wahr oder blendet sie aus. Der Körper steht aber weiterhin unter Stress, das belegen Untersuchungen eindrücklich! Damit ist aber auch klar, dass die Einschätzung der Person über ihren Stress unzuverlässig ist, man kann dieser Einschätzung nicht trauen: Sie kann stimmen, sie muss aber nicht stimmen. Dies zu klären ist Aufgabe der Therapie. Nach diesen Klärungsprozessen zu den internalen Stressoren (Was innerhalb und ausserhalb der Partnerschaft für die Person eine letztlich ungesunde Belastung darstellt), folgt im weiteren Therapieverlauf die Stärkung der Person mit konkreten Strategien der Stressbewältigung.


2. Die Klärungsorientierte Psychotherapie als wesentlichste Grundlage bei der Bewältigung von Beziehungssschwierigkeiten

Es gibt viele gute Paartherapiemethoden, deren Wirksamkeit durch Studien belegt ist. Dies gilt besonders für die klärungsorientierte, die bewältigungsorientierte und die emotionsfokussierte Paartherapie. Aber auch die etwas weniger durch Forschung untermauerte systemische Therapie hat wertvolle Interventionen und Sichtweisen für Paartherapie erarbeitet. Mit Ausnahme der systemischen Therapie, in der eher die Wechselwirkungen zwischen den im System beteiligten Personen und die Verstörung sowie Veränderung von Mustern im Fokus steht, geht es bei den erwähnten Ansätzen (auch) um das Verstehen der hinter den Konflikten liegenden Bedürfnissen und Empfindlichkeiten. Dabei sind Emotionen nicht nur in der das Wort in ihrem Namen tragenden emotionsfokussierten Paartherapie ein wichtiger Fokus, sondern sehr stark auch im bewältigungsorientierten und klärungsorientierten Ansatz.

Die klärungsorientierte Psychotherapie (KOP) ist für uns sowohl im Einzel- wie auch im Paarsetting die Basis unserer therapeutischen Arbeit. Auf dieser Basis integriert Paarpraxis besonders hilfreiche und bewährte Elemente der nachfolgend kurz dargestellten Therapieschulen. In einer Untersuchung von Snyder et al. haben sich 39% aller Paare getrennt, die sich einer stark verhaltens- und lösungsorientierten Paartherapie unterzogen haben, wohingegen sich nur 3% aller Paare nach einer klärungsorientierten Paartherapie getrennt haben. Dabei zeigte sich immer wieder, dass das bei diesem Ansatz durch Biographiearbeit (wie auch beim Ansatz des Hans Jellouschek Institutes) geschaffene Verständnis des Partners aus seiner Lebensgeschichte und aus seiner Herkunftsfamilie heraus eine zentrale Wirkvariable ist.


3. Die von uns integrierten Behandlungsansätze bei unserer Unterstützung von Einzelpersonen

Klärungsorientierte Psychotherapie (KOP) ist für uns sowohl im Einzel- wie auch im Paarsetting die Basis unserer Arbeit im Einzelsetting. KOP ist eine psychologisch sehr gut fundierte, empirisch hochgradig validierte Therapieform, die unter anderem auch in der von der Universität Bern angebotenen Psychotherapieausbildung integriert wird. Sie ist weiter eine Konzeption, die gut in andere Therapieformen integriert werden kann und in welche bewährte Interventionen anderer Therapieschulen integriert werden können. KOP ist eine (deutliche!) Weiterentwicklung der klassischen Gesprächstherapie sowie von wesentlichen Teilen der kognitiven Verhaltenstherapie, der Tiefenpsychologie und verschiedener Schematherapieformen.

Prozess- und Embodimentorientierte Therapie (PEP nach Dr. Michael Bohne) Wenn es um das Regulieren starker und störender Emotionen wie Angst, Wut oder Trauer geht, arbeiten wir mit dem körperorientierten Ansatz von PEP (Reden allein reicht oft nicht!). PEP ist weiter ein sehr gut und rasch wirksamer Ansatz, wenn es um die Bearbeitung von Selbstvorwürfen, Fremdvorwürfen, Erwartungshaltungen, oder um die Auflösung von durch Loyalitäten bedingten Verstrickungen geht.

Integrative Sexualtherapie im Einzelsetting: Unser Ansatz in der Sexualtherapie ist einerseits ebenfalls klärungsorientiert fundiert, und integriert andererseits innerhalb des Kerngebiets der Sexualtherapie vollumfänglich den systemischen Ansatz von Prof. Ulrich Clement (Systemische Sexualtherapie 2004 - IGST). Auch in der Sexualberatung arbeiten wir damit integrativ: Das heisst, wir klären im Sinne der KOP, was unsere Klienten als Problem erleben, was sie damit verbinden, was das für sie heisst und was sie gerne verändern möchten. Gerade beim Thema Sexualität scheint uns folgendes sehr wichtig: Natürlich klären wir Ihr Ziel gemeinsam, das heisst, wir machen Ihnen keine Vorgaben - Sie bestimmen letztlich selber, was Sie verändern möchten. Wir werden gut aufpassen, Sie nicht gegen Ihre eigentliche Motivation dabei zu unterstützen, sich noch weiter an fremdbestimmte Vorstellungen (Ihres Partners, oder der Gesellschaft, etc.) anzupassen, als Sie dies vielleicht ohnehin schon tun! Ein gutes Ziel könnte sein, Sie dadurch zu stärken, dass Sie für sich klären, ob - und wenn ja dann wie - Sie Sexualität leben wollen, und zwar unabhängig von Standards und Normvorgaben, die von aussen an Sie herangetragen werden! Unsere Unterstützung setzt damit beim individuellen Begehren an und ermöglicht es, auf die Suche nach einer für Sie stimmigen, zu Ihnen als Person passenden Sexualität zu gehen. Dies ermöglicht Ihnen, sich vom erlebten Druck oder von erlebten Selbstzweifeln zu lösen, die eigene Lust wieder zu finden, sich nötigenfalls selbstbestimmt gegen die Definitionen und Forderungen des Partners abzugrenzen und damit die Sexualität wieder geniessen zu können, anstatt sie als Belastung zu erleben.


4. Die von uns integrierten Behandlungsansätze bei unserer Unterstützung von Paaren

Systemisch integrative Paartherapie (Lehrtätigkeit von Marco Ferrari in der Fortbildung FSP für Paartherapie am Hans Jellouschek Institut) Der Ansatz ist stark ausgerichtet auf die Ressourcen des Paares und hat den Fokus auf der nun anstehenden Entwicklung. Die Krise wird häufig durch etwas Drittes, mit dem das Paar konfrontiert wird, ausgelöst (Arbeitsstress, Kinder, Aussenbeziehung, etc.). Der Ansatz versteht die Krise als Entwicklungschance. Der Blick in die Beziehungsgeschichte des Paares und auf das, was jeder Partner aus seiner Herkunftsfamilie an Ungelöstem mitbringt, ermöglicht tieferes Verstehen des Partners und neue Lösungen.

Klärungsorientierte Paartherapie KOPT (IPP Bochum) Die durch die heutigen Erkenntnisse der Neurobiologie bestätigte Grundannahme, die lösungsorientierten Therapieansätzen entgegensteht, lautet: Ohne saubere Klärung der Probleme ist keine nachhaltige Lösung möglich! Auch rein verhaltenstherapeutische oder rein systemische Konzepte greifen oft zu kurz. In einer Untersuchung von Snyder et al. haben sich 39% aller Paare getrennt, die sich einer stark verhaltens- oder lösungsorientierten Paartherapie unterzogen haben, aber nur 3% der Paare nach einer klärungsorientierten Paartherapie! Der stärkste Wirkfaktor dürfte dabei das durch KOPT bewirkte tiefere Verstehen der Persönlichkeit der beiden Partner, insbesondere mit Blick auf ihre jeweiligen Herkunftsfamilien und Lebensgeschichten, sein.

Bewältigungsorientierte Paartherapie (Verhaltenstherapie mit Paaren - ein bewältigungsorientierter Ansatz, Bodenmann, 2004, überarbeitete Auflage 2012) Grundlage der Paarlifekurse und der Ausbildung zum Paarlifetrainer. Paarpraxis integriert folgende, zentrale Interventionen dieser Schule: Die gemeinsame Stressbewältigung mit wirksamer Partner-Unterstützung (3-Phasen-Methode), Kommunikationstraining zur Verbesserung des Streitverhaltens, Problemlösetraining zum Finden von tragfähigen Kompromissen, gezielter Aufbau von Positivität am Anfang der Therapie (Reziprozitätstraining).

Integrative Sexualtherapie im Paarsetting: Vom Ansatz her gilt das oben für die Einzelunterstützung Gesagte: Er ist eine vollständige Integration der systemischen Sexualtherapie nach Clement basierend auf der Grundlage der KOP. Im Paarsetting steht beispielsweise oft die Frage im Zentrum, wie beide Partner ihre sexuellen Probleme, zum Beispiel die Unterschiede im sexuellen Verlangen, bewerten; Wie die Situation für jenen ist, der mehr oder andere Sexualität möchte oder fordert, und wie ist die Situation für den Partner, der innerhalb der Beziehung den Part des weniger Sex wünschenden Partners hat (Bsp.: Druck, Schuldgefühle, Selbstwertprobleme, etc.). Unser Ansatz setzt beim individuellen Begehren an und ermöglicht beiden Partnern, auf die Suche nach einer für sie stimmigen, zu ihnen als Person passenden Sexualität zu gehen.

Hilfe bei Untreue: Paare, die von Aussenbeziehungen betroffen sind, brauchen eine besondere Behandlung, da hier die Aufarbeitung der Verletzung, die Wiederherstellung des Vertrauens und der Versöhungsprozess von besonderer Bedeutung sind. Wir integrieren hier die Konzepte von verschiedenen Paartherapieaschulen, die sich explizit mit dieser therapeutischen Konstellation auseinandergesetzt haben, insbesondere das Hans Jellouschek Institut, das IGST von Ulrich Clement und die us-amerikanische Gruppe mit Gordeon, Snyder und Baucom. (Literatur: Helping couples get past the affair, Gordon, Snyder, Baucom, 2009)