Praxis kleiner Raum



Es ist niemals wie zuvor! Aber möglicherweise besser.

Mit Untreue konfrontierte Paare, die das Geschehene in einer Paartherapie aufzuarbeiten bereit sind, habe gute Chancen, als gestärktes Paar auf einer neuen, oft als besser empfundenen Ebene aus der Krise hervorzugehen.

Etwa jedes zweite Paar wird im Verlauf seiner Beziehung von Seitensprüngen oder kürzeren bis jahrelang dauernden Aussenbeziehungen betroffen. Die Aufdeckung von nicht abgesprochener Untreue kann das Paar und die einzelnen Partner in ihrem
emotionalen Erleben und im Verhalten völlig aus der Bahn werfen:

Der verletzte Partner ist in der Regel erschüttert in seinem Glauben an zentrale positive Annahmen über die Beziehung. Viele berichten, sie fühlten sich, als wäre ihnen der Boden unter den Füssen weggezogen worden. Sie zeigen oft Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Aber auch der involvierte Partner ist in aller Regel aufgewühlt und überfordert fertig zu werden mit dem, womit er aktuell konfrontiert wird. Er findet sich darüber hinaus häufig in der Rolle des "Schuldigen" und wird von eingeweihten Freunden, Verwandten oder Bekannten nicht selten regelrecht geächtet.

Ohne Hilfe gelingt es dem Paar oft nicht, den Schaden zu kontrollieren und die Sache nicht noch schlimmer zu machen. Um Affären zu überwinden und damit neues Vertrauen möglich wird, brauchen Paare ein vertieftes gemeinsames Verständnis der Ursachen für die Untreue. In der Behandlung wird ein Blick auf die Saat in der Beziehung oder in der Persönlichkeit der Partner geworfen, durch die eine Affäre möglich wurde. Es geht darum, dem Ereignis eine Bedeutung zu geben und gegenseitige Empathie zu fördern.

Die Behandlung erfolgt in drei Phasen:

Erste Phase:
Dem Paar helfen mit der aktuellen Erschütterung umzugehen: Dabei geht es zum Beispiel darum:

  1. Klare Banden und Abmachungen aushandeln, wie die Partner im Moment miteinander umgehen und wie sie mit Dritten umgehen.
  2. Dafür zu sorgen, dass jeder sich um seine psychische und physische Gesundheit kümmert.
  3. Time-out und sonstige Gesprächstechniken (Sprecher- und Zuhörerregeln) vermitteln, um Eskalationen zu vermeiden.
  4. Mit Flashbacks umgehen lernen.

Zweite Phase:
Die Gründe für die Untreue begreifen und der Affäre eine Bedeutung geben. Dies ist wichtig, um die Grundlagen zu schaffen, damit Vertrauen wieder möglich ist.

Dritte Phase:
Entscheidungshilfe geben, in der Beziehung zu bleiben oder diese zu verlassen.