Praxis kleiner Raum


Klärungsorientierte Paartherapie (Prof. Dr. Rainer Sachse)
Der Therapieansatz betont die Wichtigkeit einer genauen Klärung, bevor an der Lösung der Probleme gearbeitet werden kann. Bei Paarkonflikten geht es häufig um relevante dysfunktionale (also ungünstige) Schemata (Grundüberzeugungen), welche die Partner aus ihrer Biographie in die Beziehung mitbringen. Schemata enthalten dabei Annahmen über die eigene Person (z.B. "ich bin inkompetent"; "ich bin nicht wichtig") oder über Beziehungen (z.B. "in Beziehungen wird man abgewertet"; "in Beziehungen wird man nicht ernst genommen"; "Beziehungen sind nicht verlässlich"). Diese Annahmen sind dem Klienten nicht bewusst (Es sei denn, sie haben bereits eine lange Selbsterfahrung in klärungsorientierter Therapie). Wenn solche ungünstige biographische Schemata noch nicht geklärt sind und vom jeweils anderen Partner auch nicht verstanden werden (beides trifft meistens zu), können sie sich ungebremst negativ in der Beziehung auswirken.

Schemata führen dazu, dass man die Handlungen des Partners nicht als das interpretiert, was sie sind, sondern als das, was das Schemata suggeriert (z.B. "ich bin dir nicht wichtig"; "du denkst ich bin nicht ok"). Schemata können durch ganz harmlose Situationen stimuliert (getriggert) werden und steuern dann hoch automatisiert, sehr schnell und von der Person praktisch nicht kontrollierbar die Reaktionen des Betroffenen. In der Paartherapie geht es deshalb zentral um das gegenseitige Verstehen der relevanten Schemata, damit die gegenseitige Empathie und die Bereitschaft aufeinander zuzugehen gesteigert werden.