Marco Ferrari, Gründer von Paarpraxis im Jahre 2011

Hinweis: Leider habe ich derzeit neben meiner Richtertätigkeit keine freie Kapazität für Paarpraxis.
Wer meinen Kontakt schon hat, kann sich trotzdem (wieder) melden, damit wir besprechen können, was machbar ist.
Zur Navigation auf dieser Seite: Sie finden hier, soweit es Sie interessiert, Informationen zu meinen Ausbildungen, zu Haupt- und Nebenberuf (Paarpraxis ist eine bewilligte Nebenbeschäftigung für Richter) und ganz unten auch einige persönlichere Informationen, die für diese Tätigkeit teilweise relevant und kein Geheimnis sind.
Da alle Inhalte der Homepage, das Behandlungskonzept sowie alle Buchbesprechungen von mir stammen, finde ich es stimmiger, den Inhalt dieser Seite in der Ichform statt in der dritten Person zu schreiben.
Wie es zu meinem Engagement für Beziehungen kam
In meiner zehnjährigen Tätigkeit als Scheidungs- und Eheschutzrichter sah ich viele Paare vor mir sitzen, von denen ich den Eindruck hatte, dass sie eigentlich gut zusammen gepasst hätten. Dies war der Hauptgrund, der mich dazu bewog, mich intensiv mit der Psychologie von Partnerschaftsverläufen und psychologischen Grundlagen zu befassen.
Bald fand ich Zugang zur Ausbildung an der Universität Zürich als Stressbewältigungsstrainer (Paarlife). Danach absolvierte ich eine mehrjährige Ausbildung zum Paartherapeuten, mit anschliessend nochmals vertiefenden Weiterbildungen in diesem Bereich. Die wichtigste Ausbildung, welche die anderen integriert und abrundet, ist für mich jene in klärungsorientierter Psychotherapie (und klärungsorientierter Traumatherapie).
Diese Weiterbildungen, und die damit verbundenen praktischen Erfahrungen, kann ich in meinem Beruf als Richter (Vorsitzender der Schlichtungsbehörde Emmental-Oberaargau), als Referent für Verhandlungsführung in der Weiterbildung von Richterinnen und Richtern, als Lehrtherapeut für angehende Paartherapeutinnen und Paartherapeuten und in meinem Engagement für Paarpraxis gewinnbringend einbringen.
Die Erfahrungen in diesen verschiedenen Feldern befruchten sich und helfen mir, mich stets weiterzuentwickeln (mehr dazu unten: Schlichter, Richter, psychologische Praxis - wie geht das zusammen?).
Aus- und Weiterbildungen
- 2017 bis 2018 Klärungsorientierte Traumatherapie Institut für klärungsorientierte Traumatherapie IKT
- 2017 bis 2018 Prozess- und embodimentfokussierte Therapie Fortbildung PEP®, nach Dr. M. Bohne
- 2015 bis 2017 Klärungsorientierte Psychotherapie Institut Psychologische Psychotherapie Sachse IPP
- 2011 bis 2015 Systemisch-integrative Paartherapie, Hans Jellouschek Institut
- 2013 bis 2014 Systemische Sexualtherapie, IGST - Ulrich Clement
- 2012 bis 2016 Hypno-systemische Therapie, Gunter Schmidt Heidelberg, via Auditorium Netzwerk
- 2008 bis 2009 Stressbewältigung Paarlife (Verhaltenstherapie für Paare): Universität Zürich
- 2009 bis 2009 CAS Forensik, Hochschule Luzern
- 2006 bis 2007 Grundlagen der Psychologie, AKAD
- 1997 bis 1998 Pädagogische Psychologie/Didaktik (Teil Handelslehrerstudium), Universität Bern
- 1989 bis 1995 Rechtsstudium Universität Bern Patentierung als Fürsprecher/Rechtsanwalt
Schlichter und Richter und psychologische Praxis - wie geht das zusammen?
Ich kann mir keine idealere Kombination vorstellen, denn das eine befruchtet das andere und umgekehrt. Ehrlich gesagt befruchtet vor allem das eine das andere: Dank und seit meinen therapeutischen Ausbildungen, sowie der damit verbundenen Selbst- und Praxiserfahrungen, ist meine Arbeit in der Justiz als Vorgesetzter und als verhandlungsführender Vorsitzender, so scheint es mir zumindest, deutlich besser geworden.
Um es in den Worten von Mani Matter zu sagen: „Ich würde das sogar für schädlich halten, wenn ich nur in der Justiz tätig wäre. Die beiden Tätigkeiten, die psychologische Praxis (bei Matter: das Liedermachen) und die Rechtspflege, sind nicht unvereinbar, sondern ergänzen und befruchten sich gegenseitig. Im Grund genommen geht es auf beiden Gebieten ja um das gleiche: Menschliche Schwächen zu erkennen und wohlwollend zu korrigieren. Das Recht ist ja letztendlich dazu da, um sich auszusöhnen. Das ist die vornehmste Aufgabe aller, die im Beruf des Juristen tätig sind.“ (Zitiert in der Biographie meines guten Freundes Wilfried Meichtry über Mani Matter). Das entspricht übrigens ziemlich genau dem Wortlaut von Art. 201 ZPO, wo die Aufgabe der Schlichtungsbehörde so umschrieben wird: „Die Schlichtungsbehörde versucht in formloser Verhandlung, die Parteien zu versöhnen.“
In beiden meiner Berufsfelder widme ich mich also mit Herzblut der Friedensarbeit: In der Paarpraxis der Friedensarbeit zwischen zwei oder mehreren Menschen, die sich sehr nahe stehen, sowie manchmal auch durch unterstützendes Schlichten im nicht selten turbulenten Innenleben einer Klientin oder eines Klienten. Beim Führen von Schlichtungsverhandlungen im versöhnlich richtenden Schlichten statt Richten und damit letztendlich dem Verhindern von Gerichtsprozessen (und der deutlichen Entlastung der überlasteten Regionalgerichte).
Hauptberuf und nebenberufliche Engagements: Justiz und Therapie, mit Lehrtätigkeit in beiden Feldern
Hauptberuf: 1995 bin ich unmittelbar nach der Patentierung zum Rechtsanwalt in die Bernische Justiz eingestiegen - und ihr seither treu geblieben. Ich begann als Gerichtsschreiber am Obergericht und wurde in Geschworenengerichtsprozessen, am Wirtschaftsstrafgericht, in Strafkammern sowie am Handelsgericht eingesetzt. Seit 25 Jahren bin ich nun Richter, zuerst während über zehn Jahren in der Straf- wie auch in der Ziviljustiz als Gerichtspräsident von Kollegial- und Einzelgerichten.
Gleichzeitig mit der Gründung von Paarpraxis wechselte ich im Jahr 2011 in eine rein friedensrichterliche Tätigkeit, indem ich (für die ersten zehn Jahre) die Geschäftsleitung der Schlichtungsbehörde Emmental-Oberaargau in Burgdorf übernahm und dort seither als einer der Vorsitzenden amte.
Stolze Statistik: Die Schlichtungsbehörde Emmental-Oberaargau hat übrigens, und darauf bin ich schon ein wenig stolz, seit der Einführung der eidgenössischen Zivilprozessordnung im Jahr 2011 stets die kantons- und schweizweit tiefste Quote Klagebewilligungen und damit die höchste Erledigungsquote auszuweisen! 2025 lag die Erledigungsquote wieder einmal bei über 90%.
Nebenberufliche Engagements: Mein Wirken für Paarpraxis ist eine von der Geschäftsleitung des Obergerichts des Kantons Bern bewilligte Nebenbeschäftigung für Richter unter dem Titel „Stressbewältigung Paarlife“. Eine weitere Nebenbeschäftigung betrifft mein Engagement in der Weiterbildung von Richterinnen und Richtern, zum Beispiel als Referent in der Schweizerischen Richterakademie der Universität Luzern sowie mit Workshops für Richterinnen und Richter im Führen von Vergleichsverhandlungen. Inzwischen darf ich zudem seit einigen Jahren als Referent am Hans Jellouschek Institut Tübingen-Ravensburg in der Ausbildung FSP Paartherapie wirken.
Persönliches - unsere Beziehungsgeschichte (in ganz kurz) und was das mit Paarpraxis zu tun hat
Ich wurde am 20. Februar 1966 in Bern geboren und wuchs mit meiner älteren Schwester bei meinen Eltern in einem unmittelbar am Waldrand gelegenen Haus in Ittigen auf. Am 1. Oktober 1991, ich war kurz vorher in eine Eineinhalbzimmerwohnung in Gümligen ausgezogen, sah ich meine Frau Marianne das erste Mal, sie war 23, ich 25. Ich war damals als Tennislehrer im TUS Uetendorf tätig und sie spielte dort an jenem Tag über Mittag Badmington. Ich weiss noch als wäre es heute, wie total geflasht ich von ihrem Anblick, ihren Bewegungen, ihrem Humor, ihrer Schönheit war. Ich wusste sofort, die ist es. Das tönt vielleicht kitschig und blöd, aber manchmal weiss man es einfach. Es dauerte nur wenige Wochen, bis wir ein Paar wurden. Ich wollte so rasch wie möglich heiraten, um sie auf „sicher“ zu haben. Wir verlobten uns nach zwei Monaten an meinem Geburtstag und heirateten am 1. Oktober 1992, dem Jahrestag unseres Kennenlernens.
Auch heute, nach weit über 30 Jahren, sind wir sehr glücklich und dankbar für unsere tiefe Liebe und Verbundenheit. Nie stellte sich uns die Frage, ob die Liebe weg sei, und keiner hätte je aus unserer Verbindung aussteigen wollen. Ich bin mir so sicher, wie man es nur sein kann, dass keiner von uns je den andern verlässt. Wir sind in Liebe sehr sicher gebunden und können uns darauf verlassen, dass wir immer füreinander da sind. Es gibt ein Mantra-Lied von Vanessa Forbes, das dies sehr schön zum Ausdruck bringt: you are safe.
Kann man daraus schliessen, dass wir also wissen wie’s geht, und dieses Wissen nun 1:1 in der Paarpraxis weitergeben können? Nein, das kann man nicht. Wenn Sie sich bei Paarpraxis psychologische Unterstützung holen, dann soll nämlich genau das nicht passieren, was meiner Erfahrung nach so gut wie immer passiert, wenn Sie Freundinnen, Freunde oder sonst Ihnen nahe Personen fragen: Dass der gefragte Mensch (leider passiert das allzu oft auch ungefragt) nämlich seine eigenen Erfahrungen und Glaubenssätze zur Frage „wie Beziehungen funktionieren“ für richtig und wahr hält und daraus dann Ratschläge erteilt. Natürlich ist es eine Ressource für unsere Arbeit bei Paarpraxis, dass wir selber vorleben, dass und wie die Liebe lebendig bleiben kann. Aber gerade die Selbsterfahrung in Therapie, die es in diesem Beruf braucht, dient dazu, letztendlich nicht von sich auf die KlientInnen zu schliessen. Sondern mit den eigenen Ressourcen im Rücken und mit einem vollgepackten Koffer an wissenschaftlich geprüften Methoden den bestmöglichen Weg für die Klientinnen und Klienten zu finden.
Wir haben drei erwachsene Söhne (32, 30 und 27 Jahre alt), mit denen wir ab dem Jahr 2000 in unserem Haus Grosshöchstetten den grössten Teil ihrer Kindheit erlebt haben. Seit 2021 wohnen wir wieder in Ittigen, in meinem umgebauten früheren Elternhaus mit Gartetöri direkt in den Wald hinein.